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Das Epicenter des Biohacking – Der Biohacker Summit 2017 in Helsinki

Wie jedes Jahr fand auch diesen Herbst wieder der Biohacker Summit in Helsinki statt. Dort konnten Besucher wieder tollen Sprechern zuhören, die neuesten Produkte ausprobieren und über die Zukunft der Menschheit philosophieren. In diesem Beitrag teilt der Berliner Biohacker Chris Philipps seine Erfahrungen mit uns.

Nach vielen Events und Abenteuern in der ersten Jahreshälfte habe ich dieses Jahr eine Pause vom Biohacker Summit eingelegt, auf dem ich letztes Jahr als Sprecher vertreten war. Mittlerweile bereue ich es schon, denn das Hauptevent der europäischen Biohacking-Szene war wieder einmal ein voller Erfolg. Glücklicherweise hatten wir Chris Philipps aus unserer Community vor Ort, der das Event in großartiger Weise für Flowgrade dokumentierte. Vielen Dank für die tollen Einblicke, Chris! Deine Erfahrungen sind pure Inspiration für mich und unser FlowFest 2018! Viel Spaß an alle beim Lesen dieses tollen Erfahrungsberichts.

*Kurzer Hinweis: Links zu den von Chris erwähnten Personen, Firmen und Produkten findest du am Ende des Artikels.

Highlights vom Biohacker Summit 2017

Von Chris Philipps

Wer auf der Fahrt vom Flughafen nach Helsinki aus dem Fenster schaut, dem dämmert es, warum Finnland ein so ideales Ökotop fürs Biohacking ist: Selbst bis an die Hauptstadt reicht die üppige Natur heran, die vor allem aus Wäldern und Seen besteht. Auf die 5,5 Millionen Einwohner bei einer Fläche, die fast so groß ist wie Deutschland, kommen allein 188.000 Seen. Rund 80% Finnlands sind zudem bewaldet. Die idealen Bedingungen also für Flow! Apropos Flow: Das Flowfest im Sommer in Berlin hatte mich auf den Geschmack gebracht, das Biohacker Summit in Helsinki zu besuchen, das wohl als die Wiege der europäischen Biohacker-Bewegung gilt.

So ging es am vergangenen Freitag und Samstag in das alte Kraftwerk Suvilati, einem ehemaligen Industriegelände, das sich wie viele Orte in Helsinki in ein Kulturzentrum gewandelt hat. Uns erwarteten zwei dichte Tage voller Vorträge sowie ca. 30 Aussteller, an deren Ständen man von der die Mikrodurchblutung anregenden Matte (Bemer) über die Kryokabine (Cryotech) bis zum grünen Kaffee mit Superfoods (Maison Gern) fast alles kaufen oder ausprobieren konnte, was das Biohacker-Herz begehrt.

*Im folgenden Video hat der Teilnehmer Siim Land seine Erfahrungen beim Biohacker Summit in einem ansprechenden Video verarbeitet.

Mikrokosmos und Makrokosmos der Gesundheit

Das diesjährige Motto hätte nicht weiter gefasst sein können: “The Microcosm and Macrocosm of Health”, doch das breite Spektrum tat der Veranstaltung gut. Was mich von Anfang an an der Biohacker-Szene so fasziniert hat, ist ihre Diversität und Interdisziplinarität. Und das spiegelten die Vorträge und Referenten des Summit ebenfalls wider. So waren recht einfache persönliche Erfahrungsberichte ebenso dabei wie wissenschaftlich geprägte Vorträge.
Die Hauptthemen waren natürlich Food und Nutrition, Licht und die Circadiane Rhythmen der Chronobiologie (ein Thema, für das es letzte Woche sogar den Medizin-Nobelpreis gab), Stress sowie Tracking und Analyse von Biomarkern.

[Wild Thing – You make my heart sing]

Beim Thema Ernährung standen die Beeren und Wildpflanzen hoch im Kurs. So machte ich dank Olli Sovijärvi Bekanntschaft mit Schisandra Chinensis, der Chinesischen Beerentraube, einem Adaptogen und einer der besterforschten Beeren, vor allem im russischsprachigen Raum. Jaakko Halmetoja erzählte über stark pigmentierte Pflanzen und die Nährstoff-Unterschiede in Wild- und domestizierten Versionen, und auch wenn das ein oft präsentes Thema ist, so war die grafische Gegenüberstellung der Nährstoffgehalte u.a. für Kartoffeln, Mais und Salat doch noch ein Aha-Erlebnis: Die Wildversionen sind den Hauspflanzen z.T. um den Faktor hundert oder sogar mehr überlegen. Und das Wissen, dass selbst ein Granny Smith Apfel fünf mal mehr Nährstoffe als ein Golden Delicious hat, lässt dessen sauren Geschmack ab sofort sicher besser verschmerzen.

Viele Vorträge griffen das Thema Mikrobiom auf, also die uns besiedelnden Bakterien, vor allem die im Darm. Insbesondere Ben Greenfield hatte sichtlich Spaß an dem Thema (“Yeah, let’s talk about poop!”). Auch wenn wir bisher noch wenig über das Leben in unseren Darm wissen, so wird doch immer klarer: Der Darm ist unser zweites Gehirn und die beiden haben ziemlich intensive Gespräche miteinander. Ein schöner Praxishack war seine Empfehlung, sich bei jedem Nahrungsmittel zu fragen: “Ist es nährstoffreich?” und “ist es (leicht) verdaubar?”. Ist die Antwort auf eine der Fragen “nein”, so lasse man besser die Finger davon. Diesen kleinen Hack habe ich sofort angewandt und war schockiert, wie oft meine Antwort seitdem “nein” oder “ich weiss nicht” war.

An den Ständen waren neben Kaffee und Nahrungsergänzungsmitteln Heuschrecken als Nahrung ein Thema. Ich muss gestehen: Wenn es um das Essen von Insekten geht, bin ich draußen. Doch offensichtlich ist das ein deutsches Problem: Das Team von Entocube erzählte mir, dass die Akzeptanz von Insekten als Nahrungsmittel in Finnland bei 70% läge, während nur 25% der Deutschen zu probieren bereit wären. Während auf solchen Veranstaltungen Insekten-Eiweiss ja meistens als Proteinpulver oder -riegel zu finden ist, gab es am Stand eine appetitliche riechende Reispfanne mit geschmorten Chili-Heuschrecken.

[Who wants to live forever]

Sehr interessant waren auch die beiden Talks zum Thema Anti-Aging und Lebensverlängerung. Die beiden Russen Alexander Fedintsev und Stanislav Skakun näherten sich dem Thema von unterschiedlichen Seiten. Während Alexander Fedintsev aus der akademischen Richtung kommend, einen Einblick in den Stand der Forschung und die Einflussfaktoren auf das Altern gab, gehört Stan Skakun mit über 560 regelmäßig erhobenen Biomarkern zu den wohl besterforschten Menschen der Welt. Skakun, der einen Finance- und Data-Hintergrund hat, versucht die ihm daher bekannten Vorgehensweisen aufs Biohacking anzuwenden. In seinem Vortrag vermittelte er daher einen strukturierten Ansatz zum systematischen Biohacking basierend auf Daten. Seine wohl wichtigste Lektion dabei: 90% der Arbeit sind Lernen und Recherche, 9% Bluttests und nur 1% Intervention, also die eigentlichen Hacks.

[It’s a long way to the top if you wanna rock ’n’ roll]

Und damit sind wir am Knackpunkt des Biohackings, der auch immer wieder in den Vorträgen durchschien: Der Fähigkeit, sich durch den Kosmos dieser gigantischen und komplexen Informationsmenge zu navigieren. Ich habe mich nach seinem Vortrag mit dem dänischen Quantified Self und Tech Enthusiasten Thomas Blomseth Christiansen, der in den letzten 10 Jahren über 100.000 Informationen über sich erhoben und sich damit von vielen Allergien und anderen Erkrankungen befreit hat, unterhalten. Auf meine Frage, wie er denn das Problem der Orientierung und eines systematischen Umgangs mit den vielen erhobenen Messwerten gelöst habe und wie er Ursache-Wirkungs-Beziehungen habe herausfiltern können, gab er die etwas ernüchternde aber kluge Antwort: Das habe er nicht gelöst. Er habe immer nur Schritt für Schritt agiert, viel auf die Daten geschaut und versucht Muster darin zu erkennen und Dinge ausprobiert. Er erinnerte daran, dass wir mit dem Biohacking wohl momentan dort stehen, wo die Computerwissenschaften in den 60er oder 70er Jahren gestanden haben.

[Take it easy]

Derart auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, war es dann wieder wichtig, meinen Spieltrieb anzufachen. Dazu gaben viele andere ganz praktische Talks genug Gelegenheit, denn Hacking heisst ja schliesslich auch “einfach mal machen!”. So stellte Liviu Babies von Cyborg Nest zum Beispiel einen Körpersensor vor, der den Träger immer mit dem magnetischen Feld der Erde verbindet, indem er ihn spüren lässt, wo Norden ist. Während mein spontanes Urteil war, dass dies wirklich die überflüssigste Idee seit langem sei, wächst seitdem meine Neugier darauf. Schließlich hatte ich einmal über Twitter das selbe gedacht (wer will schon 140 Zeichen an Leute schicken, die er nicht kennt?). Mit einem Preis von 425$ ist es allerdings auch ein recht kostspieliger Erwerb eines zusätzlichen Sinns, von dem man noch nicht weiss, was man damit eigentlich machen soll. Im Geist des “Einfach machen!” ist auch Movesense unterwegs, die für 99 Euro selbst programmierbare Sensoren und ein Entwicklung-Kit verkaufen, mit denen man seine eigenen Wearables und Tracking-Devices bauen kann. Ein weiterer Punkt auf meiner langen To Do Liste…

Für die weniger technisch Interessierten war eines der Highlights beim Biohacker Summit sicherlich das thermogenetische Spa. Wer wollte, konnte im Innenbereich in die Kryo-Kabine und bei bis zu -150 Grad Celsius frieren. Draußen gab es das obligatorische Eisbad, eine Hot Tub und eine mobile finnische Holzsauna, die Ähnlichkeit mit einem großen Weinfass auf Rädern hatte.

Besonders schön: Das Biohacker Summit wurde ergänzt durch einige Kunst-Performances, darunter auch die Performance “Force Field” des Künstlerpaares Evelina Domnitch und Dmitry Gelfand, in der mit Hilfe von Schall Wassertropfen zum Schweben gebracht werden. Eine reichlich profane Beschreibung für die Schönheit dieser Performance, die mich beim Zuschauen und -hören in eine meditative Trance versetzt hat – vielleicht deshalb, weil auch unsere Körper überwiegend aus Wasser bestehen und ebenfalls auf den Sound reagieren. Acht Jahre hatte das Duo gemeinsam mit russischen Wissenschaftlern an der Realisation dieses Experiments gearbeitet. Man wolle die Brücke schlagen zwischen Wissenschaft und Kunst, sagte Evelina Domnitch, und dafür sorgen, das auch Wissenschaft als eine Kunst wahrgenommen würde.

So war dies eine von vielen Brücken, die da auf dem Biohacker Summit in Helsinki geschlagen wurden. Zwischen Menschen, zwischen Themen, zwischen Disziplinen und Vorgehensweisen. Zwischen Natur, und Technologie, zwischen Kunst, Wissenschaft und Hacking. Und wie das Motto des Summit es so schön sagte: zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos.

Weiterführende Links und Informationen:

Event Webseite
Bemer Microcirculation Products
Cryotech Kryo-Kabinen
Maison Gern Superfood Kaffee
Olli Sovijärvi
Jaakko Halmetoja
Ben Greenfield
Entocube Heuschrecken
Alexander Fedintsev
Stanislav Skakun
Thomas Blomseth Christiansen
Cyborg Nest North Sense
MoveSense
Force Field Art Performance

Viele Talks wurden übrigens grafisch wunderschön dokumentiert von Äni Jaatinen @ani_jaatinen und können hier angesehen werden.

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Wenn du mit dem Biohacker Summit nun Feuer gefangen hast und in die deutschsprachige Biohacking-Welt eintauchen willst, dann sei dabei beim FlowFest 2018! Lerne von den besten Experten, probiere neue Produkte aus und werde Teil einer inspirierenden Community! Erfahre, wie es sich anfühlt, einen Tag lang im Flow zu sein. Im folgenden Video erhältst du ein paar Eindrücke von unserem Erstaufschlag in Berlin im Juli 2017.

———— Chris Philipps lebt in Berlin und ist seit Jahren Food & Nutrition Hacker, Consciousness Hacker, Gender Hacker und Tech Hacker und war sehr erfreut vor zwei Jahren zu lernen, dass man das alles unter dem kurzen Begriff Biohacking zusammenfassen kann.

Kontaktieren kann man Chris unter cphilipps@me.com oder über Facebook.

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Allgemein, Biohacking
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