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Warum Prokrastination nichts mit Faulheit zu tun hat

…und was du dagegen tun kannst. Es geht doch wirklich allen so. Hand aufs Herz, wer schiebt nicht immer wieder das eine oder andere vor sich her? Aber warum? Machen wir es uns dadurch nicht noch schwerer? Oder ist das Ganze halb so wild?

“Noch ein Youtube-Video mit den Top 10 Dunks von Kobe Bryant, dann fange ich an, aber richtig!”

Jeder kennt dieses Gefühl, etwas eigentlich sogar anfangen zu wollen, aber es einfach nicht zu können. Die Betonung liegt hier auf wollen, denn eigentlich willst du, du kannst aber aus einem Grund nicht. Und das ist für mich der große Unterschied zwischen Prokrastination und Faulheit. Der Wille. Nur wenige schieben wichtige Aufgaben gerne vor sich her. Der Prokrastierende will eigentlich, kann aber nicht während der Faule schon gar nicht will.

Fast jeder prokrastiniert

Die meisten Menschen schieben ihre wichtigsten Aufgaben auf, und zwar jeden Tag. In einer Studie der Uni Münster gaben lediglich 2 % der Befragten an, niemals etwas aufzuschieben. Das heißt umgekehrt, dass 98 % von Prokrastination betroffen sind, und es sich tatsächlich um ein Alltagsphänomen handelt. Die Erhebung hat zudem herausgefunden, dass der Grad des Aufschiebens in etwa normalverteilt ist. Prokrastination scheint also irgendwie “natürlich” zu sein. Dabei geht es immer um unangenehme Tätigkeiten (und leider sind die unangenehmsten meist die Wichtigsten), die so lange hinauszögert werden, bis es nicht mehr geht – die längst fällige Steuererklärung, das nächste Referat, ein Anruf beim Amt etc., oder die genaue Auswahl der vielen Wirkstoffe für die Laboranalyse unseres Kaffees (Entschuldigung Josephine…). Am Ende müssen all diese Dinge trotzdem erledigt werden, dann meistens unter enormem Druck. Die „Aufschieberitis“ hat einen Fachausdruck – Prokrastination.

Ein häufig genanntes Beispiel, um Prokrastination zu erklären, sind Menschen, die kein Problem damit haben, ständig von einem gewissen Chaos umgeben zu sein. Der Schreibtisch ist überladen mit Akten, Papieren und anderen Dingen. Wenn es dann aber darum geht, eine unangenehme Aufgabe zu erledigen, müssen sie plötzlich erst einmal aufräumen und putzen. Sie flüchten vor der wirklichen Produktivität in eine nebensächliche Aktivität. Warum machen wir das?

Die Neurochemie der Prokrastination

Menschen sind von klein auf trainiert, unangenehmen Erfahrungen aus dem Weg zu gehen. Wer als Kind einmal aus Neugier auf eine heiße Herdplatte gefasst hat, wird das in seinem Leben freiwillig nie wieder tun. Wir speichern den Schmerz mit dem Stimulus ab, um die negativen Emotionen in Zukunft zu vermeiden. Diese unangenehmen Erfahrungen beschränken sich aber nicht nur auf Gefühle wie Schmerz, Kälte, Hunger oder Durst. Es geht dabei auch um ungeliebte Aufgaben und Tätigkeiten. Wir versuchen, sie so lange wie möglich zu vermeiden.

Eigentlich macht das keinen Sinn, denn aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben. In einer Studie mit Unversitätsstudenten wurden aufgeschobene Aufgaben mit dem Hinauszögern immer unangenehmer. Unser Hirn spielt uns dabei einen bösen Streich. In mehreren Studien wurde gezeigt, dass unser jetziges und unser zukünftiges Selbst für unser Gehirn zwei verschiedene Personen darstellt. Das bedeutet, unsere Emotionen sind unserem Gehirn in diesem Moment wichtiger als unsere zukünftigen. Darum bevorzugen wir, die Aufgabe jetzt liegenzulassen und unserem zukünftigen Ich zuzuschieben.

Eine Studie an der UCLA und der Stanford University hat gezeigt, dass bei Teilnehmern unterschiedliche Hirnregionen aktiviert wurden, wenn sie über ihre Person heute und in der Zukunft nachdachten. Wenn sie über sich selbst in zehn Jahren nachdachten, erinnerten die Gehirnmuster an diejenigen, wenn dieselben Personen über Berühmtheiten nachdachten, die sie nicht kannten. Diese Untescheidung zwischen unserem jetzigen und unserem zukünftigem Ich erlaubt uns, für beide “Personen” unterschiedliche Entscheidungen zu treffen. Genau deswegen vergeben wir mehr Zeit und Ressourcen unseres zukünftigen Ichs als jetzt gleich. “Morgen kümmere ich mich darum.” Geeeenau…

Der Schluss hier ist, dass unser Gehirn so funktioniert, dass wir uns in diesem Moment wichtiger sind als in der Zukunft. Das fördert Prokrastination.

Der Unterschied zur krankhaften Prokrastination

Wie beschrieben, schlagen wir uns fast alle mit ein bisschen Prokrastination herum. Diese ist aber meist unbedenklich und mit ein paar effektiven Methoden (hierfür siehe weiter unten) zu beheben. Einige leiden allerdings an chronischer, krankhafter Prokrastination und können sich nur medikamentös davon befreien. Die Ursachen der krankhaften Prokrastination sind noch nicht vollständig geklärt. Sie kann laut einer Studie der Universität Münster Teil einer anderen psychischen Störung sein, etwa einer Angststörung, einer Depression oder einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS). In diesen Fällen muss die primäre Störung zuerst behandelt werden. Umgekehrt kann das chronisches Aufschieben so belastend für die Psyche werden, dass daraus wiederum andere Krankheiten entstehen.

Produktivität ist erlernbar

Die Auswirkungen der Prokrastination sind oft sehr ähnlich, die auslösenden Faktoren unterscheiden sich jedoch. Manche Menschen haben Probleme mit ihrer Prioritätensetzung und große Schwierigkeiten, sich gegen alternative Handlungen abzugrenzen. Bei anderen ist es eine unrealistische und mangelnde Planung, ein Defizit in der Konzentrationsfähigkeit oder im Zeitmanagement, häufig auch die Angst vor Kritik oder Versagen.

Wenn du von diesem Problem betroffen bist, hast du wahrscheinlich auch die Erfahrung gemacht, dass die Menschen in deiner Umgebung dich für willensschwach oder faul halten. Prokrastination hat aber nichts mit Faulheit zu tun, sondern liegt häufig an fehlender Organisation und Willenskraft. Du kannst deine eigene Prokrastination erfolgreich bekämpfen und zu mehr Produktivität gelangen, in dem du ein paar einfache Regeln beherzigst und konsequent befolgst. Wir haben für dich einen Plan entworfen, mit dem du die Hürden der Prokrastination einfach überwinden kannst.

An dieser Stelle möchte ich dir auch auf unseren Productivity Planner vorschlagen, der auf wissenschaftlichen Erkenntnissen diverser Produktivitätsstudien entstanden ist und dir hilft, mit seiner klaren und einfachen Struktur die wirklich wichtigen Aufgaben jedes Tages zu bewältigen. Ich fülle den Planner abends aus und lasse somit mein Unterbewusstsein über Nacht schon arbeiten.

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